Tag: Einweggedanken ×

Verlieben.

Sitze in der Bahn. Die Kaputze wärmt von außen. Die Musik von innen. Maeckes. Celina. Verliebt darin geliebt zu werden. Ich mag etwas über diese Phase schreiben. Verlieben. Der Moment, in dem sich langsam dein Mittelpunkt verschiebt. Nach draußen. Du selbst verlierst an Bedeutung. Verlierst dich in einer Person, die dir das schenkt, was du zuvor nicht kanntest. Blicke. Berührungen. Gedanken. Bei jedem anders. Unterschiedlich. Tauchst jede deiner Pore in lilabuntes Glück. 

Ich glaube, man verliebt sich nur ganz selten. Vielleicht zweimal im Leben. Alles andere sind Streiche, die dir dein Verstand spielt. Weil er wieder lieben möchte. Weil ihm etwas fehlt oder er ablenken möchte. Von sich selbst. Und irgendwann merkt man, dass dieses scheinbar große Gefühl zerbricht. Die Farben um einen herum wieder kräftiger werden. Man zu sich findet. Und weitergehen möchte. Alleine. Leben. Bis eines Tages alles anders kommt. Dein Herz stolpert. In die Arme einer anderen Person. Oder den wärmenden Schoß deiner Selbst. 

Ein paar Gedanken. Momente in Buchstabenform. Einweggedanken. Heute so. Morgen wieder ganz anders.

Zeilenende

Du liegst neben mir. Ich liege neben mir. Hab die Augen geschlossen, doch fühle deinen Blick. Deine Hand verwuschelt meine Haare. Ich mag das. Schaue dir in die Augen und streiche zart über deine Wange. Seit Stunden haben wir kein Wort gewechselt. Besitzergreifend halten wir beide an unseren inneren Ansichten fest, welche unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch äußerlich passt alles. Unsere Körper zeichnen Vollkommenheit an die Zimmerdecke. Dein breites Lachen zieht die Konturen nach. Doch das Tintenfass stöhnt. Die Feder kratzt. Das Zeilenende. Unausweichlich.

Freizeichen

Zweifeln. In meinem Kopf nur das monotone Piepsen. Du hebst nicht ab. Lässt den Hörer liegen. Den Kopf auf dem Kissen. Die Hände auf deinem Bauch. Zu oft hast du geantwortet. Hast Gefühle zugelassen. Dich auf mich eingelassen. Jetzt Ruhe. Stillstand. Und dein Blick streift die grauen Vorhänge. 

Lege auf. Stehe auf. Geh raus und suche Leere  Verstecke mich am Hafen. Ein blasses Licht wirft meinen Schatten an Container. In ihnen lagern wertvolle Hüte. Für junge Mädchen. In hohen Schuhen. In mir lagern ausgemalte Träume. Für uns beide. An nicht existenten Orten. Meine Hand streichelt den kühlen Asphalt, während der Rest loslässt. 

Ich mag dich. Und deine Art. Mag deine verträumten Augen. Und die Art wie du läufst. Hast du gesagt und bist eingeschlafen. In meinen Armen. Vor einiger Zeit. Heute blickst du in ein ernstes Gesicht. Es ist deins. Müde.  Blickt dir entgegen. Du greifst in deine Tasche. Ziehst dein Handy heraus. Fünf verpasste Anrufe. Streifst über meinen Namen. Und klickst auf Löschen. Schockstarre. Dann Erleichterung. Loslassen um zuzulassen. Setzt dich auf den Balkon. Zehn Ziffern. Warten. Freizeichen. Dann hebt er ab. Und ich schließe meine Augen. 

Sendeschluss

Der Fernseher flackert. Grau-Schwarz an allen Wänden. Zwei leere Weingläser stehen auf dem Boden. Zwischen ihnen kaum Platz für Sorgen - und so verlassen sie den Raum. Dein Kopf liegt in meinem Schoß und bewegt sich kaum. Du schläfst. Bist woanders. Ich bin bei dir. Bleibe bei dir. Regen peitscht gegen das Fenster, drückt das Efeu zu Boden und Zeitungsseiten verschwimmen. Jedes Wort wird aussagelos. Große Tintenflecken markieren die Überreste des Tages. Es war ein schöner Tag. Hab dir die Stadt gezeigt. Du hast mir deine Träume geschildert. Kleine Ausschnitte, die dir so viel bedeuten. Im Moment plagen dich andere Träume. Ein Zucken und meine Hand sucht deine Wange. Hält sie fest, damit du nicht abrutscht. Ein Blinzeln. Ein Lächeln. Und der Fernseher blendet auf Schwarz.