Tag: Einweggedanken ×

Schon wieder

Schon wieder das selbe Lied. Du bemerkst es nicht. Schaust weiter traumlos an mir vorbei. Deinen Namen habe ich vergessen, doch deinen Blick. Den kenne ich. Seit über einer halben Stunde treibt es uns über die Tanzfläche. Die Bewegung harmonisch. Das Echo monoton. Wolltest demnächst gehen, doch bleibst.

Schon wieder das selbe Getränk. Stoßen an und kippen das Zeug lachend den Abgrund hinunter. Dicht gefolgt von uns. Alles egal. Morgen wird keiner fragen, denn morgen sind wir wieder alleine. Kalte Füße unter dicken Decken. Serien auf dem Laptop. Die Erinnerung schwarz wie deine Strumpfhose. Zerrissen und abgegriffen.

Schon wieder die selben Berührungen. Körper, die mehr wollen, doch sich mit weniger zufrieden geben. Das Herz liegt zugekifft in der Zimmerecke. Kuschelt mit leeren Versprechungen. Die Nachttischlampe brennt in meinen Augen. Deine sind geschlossen. Ich folge dir.

Schon wieder dringt Licht ins Schlafzimmer. Schon wieder die selben Gedanken. Die selbe Verzweiflung. Die selbe Angst. Schon wieder die Faust geballt. Und der stille Schrei. Die Hoffnung. Das wird schon wieder.

Dieses Gefühl zu wissen, dass es schön war. 
Dieses Gefühl zu wissen, dass es nicht wieder wird. 
Dieses Gefühl zu wissen, dass es anders wird.
Dieses Gefühl zu wissen, dass es wunderschön wird.

Findest du mich?

Die Sonne geht unter. Ich gehe auf. In Melodien, die meinen Kopf fluten. In der Hand ein Stift. Seine Macken bohren sich in meine Haut. Du schläfst. Monoton hebt und senkt sich die Decke. Dein Kopf ruht auf meinem Kissen. Kannst es haben. Es gehört dir. Ich gehöre dir. Hab jeden meiner Gedanken auf einen Zettel geschrieben. Dir vorgelesen. Und du hast zugehört. Hast deine Welt pausiert, um meine aufzunehmen. Und nun sitze ich neben dir. Versuche leise diese Zeilen auf Papier zu bekommen. Darfst nicht aufwachen. Nicht wegen mir. Zu sehr genieße ich diese Ruhe. Die Ruhe nach dem, was war. 

Draußen ist nichts. Gelbschwarze Schatten an grauen Häuserwänden, hinter denen so viele Menschen auf der Suche sind. Die Augen stets geöffnet. Man darf nichts verpassen. Nichts übersehen. Nichts unbewertet entkommen lassen. Ich kenne das. Es ist ein Teil von mir. Eines von vielen. Du bist ein Teil von mir. Eines von vielen. Und das soll so sein. Muss so sein. Für diesen Augenblick. 

Ich finde mich… Findest du mich, wenn du nachher aufwachst? Frage ich mich. Und verlasse das Zimmer.