Blog / Framente

Der Schal.

Ein leises Summen. Die Hände im Schoß. Gefaltet. Ihr Gesicht regungslos - nur ihre Augen wandern den Bahnsteig entlang. Ihr roter Schal greift an ihrem Hals empor. Hält ihn fest. Drückt ihn. Und gibt der Kälte keine Chance. Nicht nur der Kälte - auch den Schlägen ihres Herzens. Zwängt es in ein unsichtbares Korsett und lässt es erstummen.

Nach und nach fahren Züge ein. Menschen strömen heraus. Suchen hektisch den Ausgang. Wollen raus und in alle Himmelsrichtungen entfliehen. Dieses Spiel wiederholt sich. Nur die Frau bleibt sitzen. Streicht sich ein ums andere Mal die Haare aus dem Gesicht. Sie wippt. Unscheinbar.

Wartet oft an diesem Gleis. Eigentlich jeden Tag seitdem die Blätter fallen. Ihre Taschen sind leer, doch ihr Inneres bis zur Kante gefüllt. Gefüllt mit Schmerz, Sehnsucht und Erinnerungen. Gefühle für ihn. Den sie doch schon so lange nicht mehr gesehen hat. Und unbedingt wieder sehen möchte. Ihn endlich wieder in die Arme schließen zu können. Einer ihrer leisen Träume. Doch dieser Tag kommt nicht. Dafür ging er. Lies sie alleine zurück und suchte sein Glück in der Ferne. Wollte ausbrechen und brach somit sie.

Man merkt es ihr nicht an. Denn sie ist eine starke Frau. Achtet auf ihren Körper, doch misshandelt ihre Seele. Lautsprecherdurchsagen weißen auf Verspätungen hin. Der folgende Zug hängt im Tunnel fest. Ihre Gefühle hängen im Hals fest. Weichenstörung. Personenschaden. Ihr Lächeln zerbricht. Plötzlich und unerwartet. Ihre Hände entfalten sich. Zucken träge. Sie schaut nach links. Schaut auf die hellen Buchstaben an der Decke. Die Bahn ist weiter verspätet. Der Tunnel bleibt dunkel. Sie rückt nach vorne. Ist am Rande der Bank angekommen. Ihre Hände spüren den Abgrund. Halten ihn fest. Noch.

Manchmal muss man Dinge hinter sich lassen. Muss weitergehen und darf nicht zurückblicken. Das Schwierigste ist der erste Schritt. Aufstehen und los marschieren. Den Blick nach vorne gerichtet.

Ein leises Dröhnen auf den Schienen. Es kündigt den Zug an. Licht durchflutet den Tunnel. Der Bahnhof wird vom Schreien der Wagons erfüllt. Langsam und behäbig kommen die Tonnen voll Knochen und Gefühle zum Stehen. Die Türen öffnen sich schüchtern. Und die Massen strömen aus den Abteilen.

Die Frau ist weg. Hat den Schritt gemacht. Den einen großen Schritt.

Nun ist sie am Ende der Rolltreppe angekommen. Hat die Bank hinter sich gelassen. Ihre Arme treiben sie rhythmisch nach vorne. Und ihr Herz hinterlässt eine Spur an Erinnerungen auf dem dreckigen Boden. Nur noch ihr Schal liegt leblos auf der Bank. Dort, wo er hingehört. Ihr Hals spürt die warmen Sonnenstrahlen. Und bringt ihr Lächeln zurück. Stück für Stück.

Sonnen. Bad.

Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Kinder jagen Enten und Oma schaut ihnen zu. Lässt ihren Blick übers saftige Grün wandern. Lächelnd. Und vergisst dabei, wie alleine sie doch ist. Fahrradreifen. Auf hellem Kies. Hinterlassen Spuren, aber nur für kurz. Dann werden sie verwischt. Niemand wird sich an die Abdrücke erinnern können. Ein kurzer Moment, der ewig wirkt. Die Wolken haben heute Urlaub. Liegen irgendwo anders. Aber nicht an diesem Fleck. Ich fahre mit durchs Haar. Denke über die letzten Wochen nach. Ein auf und ab. Ohne Verlässlichkeiten oder Sicherheiten. 

Der Frühling lässt uns Dinge mit anderen Augen sehen. Er mag uns immer wieder blenden, aber wenn man nicht aufpasst, übersieht man den Wandel. Ein Wandel, der unsere Umgebung mit neuen Farben anstreicht. Leuchtend. Kraftvoll. Uns einen Schubs geben möchte. Ohne Ziel. Aber mit einer gewissen Härte. Diesmal lasse ich mich gerne treiben. Wie die Blüten auf der Bank neben mir. Loslassen. Zulassen.

Irgendwann habe ich aufgehört zu wollen. Zu fordern. Zu verfolgen. Habe die Kapuze ins Gesicht gezogen und wieder angefangen zu träumen. Ein neugieriges Kind mit den Händen in den Hosentaschen.

Hallo 2014.

Ein blaues Farmhaus mit schwarzem Dach steht in einer weiten, flachen Landschaft mit Feldern. Ein dunkles Feld erstreckt sich im Vordergrund, während hellere Felder und weitere Gebäude in der Ferne sichtbar sind. Der klare Himmel zeigt gutes Wetter.

Der Kamin knistert während draußen Regen das Gras zu Boden drückt. Unter Decken eingekuschelt sitzt man am Fenster. Blickt ins dunkle Schwarz. Neuartige Melodien in diesem kleinen Haus. Irgendwo in Dänemark. Bekannte Stimmen halten das Geschehene der letzten Stunden fest. Ich halte an meinem Becher fest und lasse das vergangene Jahr ziehen.

Ich wünsche euch einen schönen Start in das neue Jahr. Auf das es euch Momente bringt, die ihr euch wünscht. Aber auch Dinge geschehen lässt, die ihr so nicht geplant hattet.

Rückblick. 2014.

Dieses Jahr war irgendwie anders. Weniger gerannt und mehr angekommen. Sehr viel nachgedacht, doch einst aufgehört. Zu oft die selben Fragen mit verbitterten Antworten. Habe Dinge akzeptiert, die mich und andere ausmachen. Dinge, die ich heute wertschätzen kann. Jedenfalls in den meisten Momenten. Trümmer mussten verschwinden, weil sie mich verletzt haben. Menschen mussten verschwinden, weil ich sie verletzt habe. Ohne es mir einzugestehen. Habe mich selbst angelogen. Eine dritte Chance zu jeder Zeit in der Hinterhand. Heute trägt man die Narben hinter lustigen Sprüchen. Bin deutlich öfter gefallen, öfter aufgestanden, öfter umgekehrt. Habe Momente erlebt, auf die ich gerne verzichtet hätte. Sie deswegen so sehr achte. Worte gesagt, Sätze vorgelesen und Lippen berührt. Habe Bücher verschlungen und sie als Geschenk vor deiner Tür abgelegt. Der Hunger hat sich gelegt. Die Hektik ist nur noch selten zu Besuch. Hab mein Tempo gefunden, das so anders ist als zuvor. Kann dir wieder in die Augen blicken. Mit einem Grinsen im Gesicht. Kann über Vergangenes reden und von Zukünftigem träumen. Und auch wenn ich manchmal einsamer als zuvor bin, fühle ich mich aufgehobener als die letzten Male.

Dieses Jahr war irgendwie anders. In seinen Farben und Melodien. Mehr leise als laut. Die Augenringe noch etwas tiefer, den Blick wieder nach oben gerichtet. Betrachte Sterne nur noch bei Mitternacht während ich tagsüber von dir träume. Hast mich zum Tanzen gebracht. Unbekannter Schritt zu lautlosem Takt. Alles etwas anders. Anders gedacht als erhofft. Doch ich mag das. Mag das, was da ist. Auch an den Tagen, an denen da nichts ist als Schweigen. Nicht mehr als ein Versprechen zwischen Zweien. Stolpere durch ein Meer an Satzanfängen. Die Enden nicht absehbar. Die Nebensätze nur angedeutet. Freue mich auf das nächste Wort. Wie bereits damals. Nur irgendwie anders.

Projekt Kano

Kano Computer Kit mit orangefarbener Tastatur, Komponenten und Verpackung in Braun-Orange-Design. Das Set enthält alle notwendigen Teile zum Zusammenbau eines funktionsfähigen Computers für alle Altersgruppen weltweit.

Seit Monaten verfolge ich die Entwicklungen des Raspberry Pi, einem kleinen Rechner aus England mit dem Ziel, das Interesse am Programmieren und Basteln mit einem geringen Anschaffungspreis zu wecken. Es handelt sich hierbei um eine kleine Platine mit allen notwendigen Anschlüssen für externe Hardware. Als Mediencenter oder kleiner Heimserver erfreut er sich großer Beliebtheit. Persönlich war ich immer etwas skeptisch das Gerät zu kaufen, denn schließlich liegt genug Elektronik in meiner Wohnung. Doch seit einer Woche kann man bei Kickstarter das Projekt Kano unterstützen. Und das tat ich.

Projekt Kano richtet sich vorwiegend an Kinder und junge Erwachsene. Es soll den Bau eines Computers und die Umsetzung von Ideen so einfach wie das Spielen mit Lego machen. Die mitgelieferte Anleitung hilft beim Zusammenführen von Platine, Gehäuse, Lautsprecher, Betriebssystem auf SD-Karte und Tastatur-Trackpad-Kombination. Kabel für einen direkten Anschluss an einen Monitor sind vorhanden. Das Betriebssystem (Kano OS) soll dann dem Nutzer spielend die Funktionsweise eines Rechners und erste Schritte in die Programmierung ermöglichen. Hierfür löst man Missionen wie die Umsetzung von Snake oder das Bauen von Melodien aus logischen Operationen. Gleichzeitig hat man natürlich einen kabellosen Server auf Basis des Raspberry Pi, welcher auch andere Betriebssysteme booten könnte.

Warum ich das Projekt unterstütze? Weil ich die simple und zugängliche Idee klasse finde. Kinder sollten so früh wie möglich mit der Logik eines Computers vertraut gemacht werden und nicht nur Konsumenten von von fertigen Inhalten werden. Natürlich hab ich einen leistungsstarken Rechner und Programmieren kann ich auch ein bisschen, aber vielleicht komme ich mal in die Situation es jemand Jüngerem erklären zu wollen. Oder ich möchte einfach nur ohne Ablenkung einen kleinen Server bauen und mal wieder das Bastelgefühl aus der Kindheit wiederbeleben =) Bis Mitte Dezember könnt ihr spenden und erhaltet für $119 das komplette Set nach Hause geschickt - jedoch leider erst Mitte 2014.