„Wohin würdest du auswandern, wenn alles zusammenbricht?“ Diese Frage ist schon die halbe Niederlage. Johannes Kleske zeigt in Doomscrolling the Future, wie Narrative über den Kollaps funktionieren: Wer sie glaubt, zieht sich zurück. Und schwächt genau die Strukturen, die den Kollaps verhindern könnten. Ein geschlossener Kreislauf. Wer weggeht, hat recht. Im Nachhinein. Bleiben ist deshalb keine Naivität. Sondern vielleicht die einzige Strategie, die den Kreislauf bricht.
Blog / Framente
Die Radikalisierung im Feed. Auf dem Schulhof. Was ist eigentlich mit jungen Männern los? Was reizt sie an der Manosphere? In der dritten Staffel Springerstiefel gehen Hendrik Bolz und Don Pablo Mulemba der Frage nach, warum Härte plötzlich wieder eine Option ist. Von Dominanz und Verletzbarkeit. Der Angst, nicht zu genügen. Ärger als erlaubter Container. Einer Suche nach Gemeinschaft. In einer Welt, wo so viel unklar ist. So viel in Bewegung.
Die Manosphere verkauft keine Stärke. Sie verkauft jungen Männern eine Erklärung für ihre Gefühle. Und ein Feindbild gleich mit.
Was wäre der positive Gegenentwurf? Nähe, Konsens und Freundschaft statt Status, Kontrolle und Abwertung?
Zwei Frauen, zwei zerplatzte Lebensentwürfe, ein Haus auf dem Land. Eva Lohmann erzählt in „Das leise Platzen unserer Träume“ von Sehnsüchten, die sich begegnen: Jule, die auf dem Land mit dem unerfüllten Kinderwunsch ringt. Und Hellen, die als alleinerziehende Mutter und Influencerin eine Affäre mit Jules Mann beginnt. Zwischen Enttäuschung, Neuanfang und vorsichtiger Annäherung entsteht Verständnis und Verletzlichkeit. Ein leises Buch übers Scheitern.
Hab mich oft gefragt, was einen richtigen Mann ausmacht. Was Männlichkeit ist. Hab mich verglichen. Früher auf dem Basketballplatz. Dann im Büro und auf Parties. Soll stark sein. Halten. Soll emotional sein. Weich. Beides gleichzeitig, nicht nacheinander. Fühlte mich unsicher. Und bin damit nicht alleine. Diese Unsicherheit ist der Grund für radikale Parteien und die Manosphere. Für den Wunsch nach einfachen Lösungen. Klaren Schuldigen.
Björn Süfke spricht über antrainierte Gefühlsabwehr. Ärger als einzig akzeptierte und benennbare Emotion. Dahinter Trauer, Scham, Schuld und Angst. Verdrängen als Flucht. Arbeit als Flucht. Nicht ich bin das Problem. Ein System, das formt. Süfkes Ansatz: liebevolle Konfrontation. Nicht frontal. Nebeneinander, wie auf einer Parkbank. Unsicherheit benennen. Legitimieren. Hab irgendwann angefangen darüber zu sprechen. Mit Freunden und Freundinnen. Schenke dem Begriff Männlichkeit immer weniger Bedeutung. Entscheide mich für Werte. Für Verhaltensweisen.
Wissensarbeit, seit KI-Agenten mitarbeiten
Mein aktuelles Setup. Was hat sich verändert? Und was fehlt mir?
Hab schon immer virtuelle Notizbücher befüllt. Mit Gedanken und Ideen. Im Meeting. Auf dem Balkon. Irgendwann mal Evernote, dann Notion, mittlerweile Obsidian. Hab immer alleine darin gearbeitet. Vielleicht mal einzelne Menschen dazu geholt. Nun haben mehrere KI-Agenten ständig Zugriff. Arbeiten mit. Das hilft. Und manchmal nicht.
Mein aktuelles System nimmt mir Arbeit ab. Und es gibt mir neue. Weniger Suchen und Sortieren. Mehr Kontextpflege, Review und Entscheidungen. Ich bin schneller beim ersten Schritt. Fertig bin ich deshalb nicht früher.
Zuletzt aktualisiert im Juli 2026.
Wie hat sich meine Wissensarbeit verändert?
Ende 2022 fing ich an, mit Chatbots zu schreiben. Frage. Antwort. Jedes Gespräch ein Neuanfang. Kontext mitteilen und Rahmen definieren. LinkedIn überflutet mit „So promptest du richtig“. Dann kamen Erinnerungen und Projekte. Das Wissen wurde weitergereicht. War aber nicht für andere Anwendungen zugänglich. Bis die Agenten kamen. Sie arbeiten auf dem Rechner oder in einem Repository. Können Erkenntnisse speichern. Und eigenständig Aufgaben erledigen. Meine Wissensarbeit veränderte sich radikal. Ich finde Dinge schneller, mache weniger Fleißarbeit. Das System findet neue Verknüpfungen, Themen und Aufgaben. Und es möchte dafür im Gegenzug gepflegt werden. Die ständige Frage: Arbeite ich nun mehr? Oder weniger? Oder anders?
Vor einem Meeting öffne ich keine leere Notiz mehr. Mein System legt mir die letzten Wochen daneben. Offene Aufgaben. Gedanken aus Artikeln, die plötzlich zum Thema passen. Nach dem Gespräch halte ich fest, was entschieden wurde. Es schlägt Folgeaufgaben vor, recherchiert offene Fragen und findet Verbindungen zu alten Notizen. Nicht alles davon ist gut. Aber ich fange nicht bei Null an.
Springe dennoch viel zwischen unterschiedlichen Aufgaben. Muss entscheiden, was dokumentiert werden soll. Und was das System nur aufbläht. Manchmal Manager. Manchmal Hausmeister. Einzelne Aufgaben sind schnell erledigt. Die Kombination kann ganz schön ermüdend sein. Passe ständig etwas an. Das fühlt sich produktiv an. Ist es aber nicht immer. Lerne ich dabei etwas und knüpfe ich neue Verknüpfungen, dann war's das wert. Pflege ich nur Felder oder vereinheitliche Stile, dann ist es eine gut getarnte Form von Aufschieben.