Blog / Framente
Ich laufe durch die Straßen. Menschenmassen drängen sich aneinander vorbei. Stürmen in Läden, um sich den neuen Kleidungstrend aus New York zu besorgen. Geben ihr Geld aus, weil sie glauben, dass sie dadurch glücklicher werden. Weil sie denken, mehr beachtet zu werden. Und eigentlich ist es total egal, wie du dich kleidest, wenn du jemandem gegenüberstehst. Es kommt auf dein Gefühl an. Auf das Gefühl, das du dem anderen gibst. Die Liebe und das Vertrauen, das man sich selbst und anderen in die Hände legt. Last Minutes with ODEN ist eine traurige Kurzdokumentation über einen Mann, der sich hinter einer Hornbrille versteckt, aber doch so viel Hingabe für seinen Hund zeigt. Und dieser Begleiter wird ihm vom Schicksal genommen. Muss gehen. Für immer. Und der Mann ist wieder alleine. Und braucht nun die Wärme der anderen. Die er aber jedoch sicher bekommt.
Twitter · September 2010
Im September 2010 schwirrte viel durcheinander: AppleTV und Netflix, Meetings ohne Worte, Menschen in der U-Bahn belauschen. Dazwischen Hamburg, die Schanze, Der König der Löwen. Viel Input, wenig Filter. 29 Tweets. (KI-generiert)
Das Ende des Web 2.0 Erlebnisparks?
So. Da bin ich wieder. Nach einem recht stressigen Start in Hamburg und einer kurzen Erholungspause in Spanien kann ich mich auch mal wieder um diesen Blog hier kümmern. Als ich im Urlaub war, hatte ich mein Laptop nicht mitgenommen. Ich wollte mal ohne diese Kiste ausspannen. Hatte also nur mein Handy dabei und verfolgte Nachrichten und Ereignisse über einen Newsreader. Dabei bin ich über einen Artikel gestolpert, den ich sehr befürworten konnte. Der Blog Carta schrieb über den Twitter-Relaunch. Und die persönliche Schlussfolgerung, dass Social Networks immer mehr zu Zeitfressern mutieren. Die selbe Erfahrung mache ich auch.
Twitter nutze ich nur noch, um interessante Links zu publizieren. Die 140 Zeichen geben mir die Möglichkeit, Dinge zu kommentieren, ohne einen Artikel schreiben zu müssen. Ich selbst lese nur noch kaum die Nachrichten der knapp 500 Menschen, denen ich mal sehr intensiv gefolgt bin. Mir fehlt hierfür einfach die Zeit. Und auch die Lust. Twitter hat seinen Reiz verloren. Ich sehe es eher als Gedankensammlung zu Themen und Veranstaltungen. So nutze ich die Suche relativ oft und verfolge aktuelle Diskussionen über Hashtags.
Das selbe Spiel mit Facebook. Sowohl am Laptop als auch am Handy erwische ich mich immer wieder dabei, die neuesten Statusnachrichten meines Netzwerkes zu lesen. Aber entweder es passiert einfach nichts bahnbrechendes oder aber die Informationen sind oft redundant. So nutze ich die Plattform hauptsächlich zum persönlichen Austausch mit Freunden oder Bekannten. Eigentlich genau so, wie es früher von Mark Zuckerberg geplant war.
Viel wichtiger wurden in letzter Zeit der Google Reader und Aggregations-Seiten wie Rivva, Techmeme oder Google News. Hierüber kann ich schnell interessante Artikel finden, diese kommentieren und an Freunde weiterleiten. Schnell und problemlos. Auch die Tatsache, dass ich gerade auf der Arbeit sehr viel Zeit mit sozialen Netzwerken, Online-Auftritten und Web-Strategien verbringe, nimmt mir die abendliche Surf-Lust. Ich genieße Filme, höre mehr Musik und sitze “zwecklos” in Cafes. Lese Zeitungen und Bücher. Manchmal glaube ich, dass die Zeit des Spielens im Web 2.0 Erlebnispark ein Ende hat und jeder entscheidet, welche Werkzeuge er nun produktiv nutzen will.
Twitter · August 2010
Im August 2010 wollte ich einfach loslassen. Dreiwöchiges Projekt abgeschlossen, Kopfhörer zurückgegeben, ein Album-Hype im Kopf. Dazwischen: iPhone-Tools, die erste Skepsis gegenüber Plattformen, Stuttgart 21 und die Frage, ob Unternehmen ihre Mitarbeiter überhaupt verstehen. 36 Tweets. (KI-generiert)
Wohlfühl-Klima anstatt Flatrate-Urlaub
Ich habe einen interessanten Artikel gelesen. Das amerikanische Unternehmen Netflix erlaubt seinen Mitarbeitern beliebig lange Urlaub zu nehmen, solange alle Aufgaben erledigt werden. Es wird zudem auch IBM genannt, die ein ähnliches Prinzip in den Staaten realisiert haben. Viele Menschen werden sich nun ärgern, dass ihr eigener Arbeitgeber eine solche Regelung nicht anbietet. Ich selbst bezweifel aber, dass auf diese Art und Weise die Angestellten glücklicher und gleichzeitig motivierter sind. Deshalb würde ich gerne ein paar Gedanken zu Freiheiten im Beruf beschreiben. Auch wenn ich dies selbst wohl nur als flüchtiger Betrachter beurteilen kann - befinde mich selbst ja noch mitten im Studium.
Freiheiten. Im Arbeitsalltag wohl selten vorhanden. Man bekommt eine Aufgabe von oben. Einen Endtermin und viele kleine Variablen, die das Arbeitsergebnis vordefinieren. Nur selten hat man die Freiheit, seine eigenen Ideen einfließen zulassen. Entweder will der Kunde etwas ganz bestimmtes oder der Manager schüttelt den Kopf, sobald man einen Vorschlag macht. Es kommt selten zu offenen Diskussionen. Hier wird meiner Meinung nach viel Potenzial verschenkt. Durch Hierarchien, Matrix-Organisationen und Vorgaben durch das Management haben nur wenige den Mut und die Ausdauer gegen bestehende Situationen vorzugehen. Und darüber hinaus hat man selbst dann kaum die Zeit, sich nach dem Feierabend um ein Problem zu kümmern. Warum auch? Schließlich wird man während der Arbeitszeit schon andauernd gelenkt, dann opfert man nicht auch noch seine Freizeit. Ich glaube, dass im Laufe der nächsten Jahre jeder Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz immer mehr als Mittel zum Zweck sieht. Jeder braucht Geld. “Also gehe ich fünfmal die Woche zur Arbeit und mache das, was andere von mir fordern. Meine Ideen und Vorschläge behalte ich lieber für mich - es hört mir sowieso keiner zu”.
Es gibt dieses ganz bekannte Beispiel von Google. Jeder Mitarbeiter bekommt in der Woche eine bestimmte Anzahl an Stunden, in denen er machen kann, was er will. Und danach spricht man in der Gruppe darüber. Solch einen Ansatz finde ich super. Ich glaube, dass Menschen viel mehr ausprobieren, wenn es von ganz oben erlaubt ist. Wenn man es nicht heimlich machen muss, sondern es gern gesehen ist. Auch sollte es in jeder Abteilung persönliche Treffen geben, bei denen man über die aktuelle Marktsituation spricht. Über die Konkurrenz. Über deren Produkte und was daran so toll ist. Über Kundenresonanzen und Feedbacks zum eigenen Produkt. Gemeinsam diskutieren. Sich mit der eigenen Firma identifizieren und auf einer Ebene mit dem Management sprechen. Und das funktioniert nicht über Telefonkonferenzen. Man muss merken, ob der andere interessiert ist und wie die Reaktionen sind.
So kommen wir auch gleich zum Thema Homeoffice. Auch dies ist eine Entwicklung, die von Unternehmen in den Himmel gelobt werden. Man ist frei und flexibel. Arbeitnehmer können sich um ihre Familien kümmern und trotzdem arbeiten. Das dabei die zwischenmenschlichen Kontakte leiden, wird nicht weiter erwähnt. Ich würde behaupten, dass beim Kaffee zwischendurch mehr Ideen entstehen, als im Büro zu Hause. Ich selbst habe erlebt, dass ich viel produktiver bin, wenn ich immer wieder mit Kollegen sprechen kann. Meine Ideen mitteile und sofort ein Feedback bekomme.
Zurück zum Anfang meines Textes. Flexible Arbeitszeiten und Urlaub. Nach außen wirken solche Angebote innovativ und revolutionär. Ich behaupte aber einfach mal, dass es hinderlich ist, wenn jeder kommt und geht, wann er will. Wenn Menschen von daheim arbeiten und Ideen per Blackberry im Zug “brainstormen”. Natürlich sollte es Freiheiten geben, aber neue Geistesblitze entstehen - so geht es mir jedenfalls - immer im Gespräch mit anderen. Beim Mittagessen oder nebenbei. Und dazu brauche ich immer ein offenes Ohr und zwei wachsame Augen, mit denen ich mein Umfeld beobachte. Es würde vielleicht mehr bringen, die Mitarbeiter in das eigene Unternehmen zu locken und sie nicht immer weiter weglaufen zu lassen.